Mikroschadstoffe

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Mikroschadstoffe und Arzneimittel in unseren Gewässern

Umweltbericht 2016: Mikroschadstoffe können erst seit der Jahrtausendwende mithilfe von verbesserten Analysemethoden in nahezu allen Oberflächengewässern nachgewiesen werden. Damit sind sie eine erst kürzlich bekannte Art von Schadstoffe. „Mikro“ steht dabei für die niedrigen Konzentrationen der Stoffe in Gewässern und nicht für ihr Schadenspotenzial, das aufgrund ihrer aktiven chemisch-biologischen Eigenschaften hoch sein kann. Es handelt sich um Wirkstoffe aus Humanarzneimitteln wie Psychopharmaka, Antibiotika und Schmerzmitteln oder Kontrastmitteln, die bei Röntgenunter­suchungen eingesetzt werden. Kosmetikprodukte und synthetische Duftstoffe, Haushaltschemikalien, Biozide und Pestizide, Arzneimittel aus der Tierhaltung sowie Industriechemikalien (Komplexbildner, PFT und Rostschutzmittel) zählen ebenso zu den Quellen von Mikroschadstoffe. In die Gewässer gelangen die Mikroschadstoffe aus urbanen Punkteinleitungen wie kommunale oder industrielle Kläranlagen. Die aktuell betriebenen Kläranlagen sind bis auf wenige bereits nachgerüstete Anlagen nicht darauf ausgelegt, Mikroschadstoffe gezielt aus dem Abwasser zu entfernen.

Obwohl es keine statistische Erfassung der Ausgangsprodukte für Mikorschadstoffe gibt, sind die Dimensionen der Belastungen klar erkennbar. Allein in einem Privat-Haushalt sind heute bis zu 5.000 verschiedene Chemikalien in Gebrauch. Deren Rückstände gelangen vor allem mit dem Abwasser in die Gewässer und führen dort zu Belastungen. In Deutschland werden allein über 40.000 Tonnen Arzneimittel pro Jahr verkauft. Anders ausgedrückt: 8.100 Tonnen umwelt­relevanter Arzneimittel-Wirkstoffe werden pro Jahr (Stand 2012) in der Humanmedizin verwendet; dazu kommen noch die in der Tierhaltung eingesetzten Mengen von Antibiotika von etwa 1.600 Ton­nen pro Jahr.

Auch werden immer noch in einigen Haushalten alte Medikamente unsachgemäß über Abfluss und Toilette entsorgt. Über Kläranlagen oder über die landwirtschaftliche Düngung mit Gülle und Mist gelangen Arzneimittelrückstände in erheblichem Umfang in die Gewässer. Als Resultat werden mittlerweile 150 Arzneimittel-Wirkstoffe ganzjährig und flächende­ckend in der Umwelt und insbesondere auch in Oberflächengewässern nachgewiesen. Die Folgen sind vielfältig: Bei Fischen reichen diese beispielsweise von der Beeinträchtigung der Fortpflanzung durch Wirkstoffe der Antibabypille bis zur Schädigung innerer Organe durch Wirkstoffe von Schmerzmit­teln. Rückstände von Antibiotika hemmen in Gewässern das Wachstum von Pflanzen und Algen und führen zu einer besorgniserregenden Zunahme von antibiotikaresistenten Bakterien in der Umwelt.

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