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Vorwort

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Boden, Wasser, Luft, die biologische Vielfalt – ohne sie können wir nicht leben. Natürliche Ressourcen und Schutzgüter sind jedoch nicht unbegrenzt verfügbar und verletzlich. Aber wie genau ist es um den Zustand unserer Umwelt, um die Umweltqualität und vorhandene Umweltbelastungen bestellt? Hierzu gibt der hier vorliegende Umweltzustandsbericht Nordrhein-Westfalen 2020 Auskunft. Der Bericht informiert auf der Grundlage eines umfangreichen Sets an Umweltindikatoren, aktuellen Datenmaterials, fundierter Analysen und nationaler und internationaler Rahmensetzungen über die Lage unserer Umwelt zu folgenden Oberthemen:

  • Klima, Energie, Effizienz
  • Umwelt und Gesundheit
  • Abfall, Boden, Wasser
  • Natur, Ländliche Räume

Wie der aktuelle Umweltzustandsbericht zeigt – und das ist erfreulich – entwickeln sich viele Indikatoren positiv und unsere Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen zeigen Wirkung. So ist der Ausstoß an Treibhausgasen in unserem Bundesland im Jahr 2019 auf 227 Millionen Tonnen gesunken, was gegenüber dem Bezugsjahr 1990 eine Verringerung um 38 % darstellt. Das Reduktionsetappenziel des Klimaschutzgesetzes von mindestens 25 % bis 2020 wurde bereits 2017 erreicht.

Auch beim Thema Luftqualität in unseren Städten haben wir spürbare Fortschritte erzielt. Die Luft in Nordrhein-Westfalen ist sauberer geworden. Hier greifen die aufeinander abgestimmten technischen und organisatorischen Maßnahmen nachweislich – unter anderem durch die Vorgaben der von den Bezirksregierungen erstellten Luftreinhaltepläne. So ist die Feinstaubbelastung in den Städten in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken und liegt deutlich unter den Jahresgrenzwerten. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung bei der Stickstoffdioxidbelastung: Gab es im Jahr 2017 noch 27 Kommunen, in denen die Messungen an einzelnen Stellen über dem Jahresgrenzwert lagen, waren es 2019 nur noch 8 Kommunen. Im Jahr 2020 wurde dann erstmals an allen Probenahmestellen in Nordrhein-Westfalen der Grenzwert eingehalten. Der Jahresmittelwert sank an den Verkehrsmessstationen durchschnittlich um etwa 17 % im Vergleich zum Vorjahr. Diese landesweite Grenzwerteinhaltung ist eine bedeutende Wegmarke der Luftreinhaltung.

Handlungsdruck besteht beim Thema Flächenverbrauch. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, dem Verbrauch von Freiflächen – speziell der landwirtschaftlichen Nutzflächen – entgegenzusteuern. Hierzu haben wir ein Maßnahmenpaket zur intelligenten und effizienten Flächenentwicklung initiiert, um den Flächenverbrauch weiter einzudämmen. Denn: Fläche ist endlich. Unterschiedliche Ansprüche führen zu Nutzungskonflikten und lassen die natürliche Ressource Boden immer knapper werden. Das Maßnahmenpaket zur intelligenten Flächennutzung wird dazu beitragen, den flächenverbrauch in Nordrhein-Westfalen zukünftig weiter zu senken.

Nicht unerschöpflich sind auch unsere Wasserressourcen. Auf den ersten Blick haben wir Wasser im Überfluss. Talsperren, Seen und rund 50.000 Kilometer Bäche und Flüsse prägen das Land. Aber die Ressource wird deutlich von Wetter und Klima beeinflusst. Und das Klima ändert sich spürbar, wir erleben lange Trockenphasen wie auch Starkregenereignisse, auch in Nordrhein-Westfalen. Regional sind Übernutzungen unserer Wasservorkommen möglich. Potenzielle Nutzungskonflikte müssen wir durch vorausschauendes Handeln und die Zusammenarbeit aller handelnden Akteure vermeiden. Damit unmissverständlich klar ist, dass dabei die Trinkwasserversorgung immer und uneingeschränkt Vorrang haben muss, werden wir dies im Landeswassergesetz fest verankern.

Handlungsbedarf besteht ebenfalls beim Zustand unserer Wälder. Orkanartige Stürme, anhaltende Hitze- und Dürreperioden, ein massiver Borkenkäferbefall sowie Stoffeinträge in die Böden haben sich in den letzten Jahren stark auf die Vitalität der Waldbäume ausgewirkt. Vielerorts ist dies an den großflächig braunen und abgestorbenen Fichtenwäldern mit bloßem Auge deutlich erkennbar. Hier müssen wir gegensteuern. Deshalb fordern und fördern wir mit unserem Wiederbewaldungskonzept und unseren Förderangeboten die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern. Diese sind wichtig für die Artenvielfalt und gleichzeitig widerstandsfähiger und risikoärmer im Klimawandel als reine Nadelwälder.

Die aufgeführten Beispiele unterstreichen eindrücklich, wie wichtig der Umweltzustandsbericht als Seismograph für unsere Anstrengungen im Umweltschutz ist. Der Bericht verschafft uns ein genaues Bild des Zustandes unserer Umwelt und dient als Kompass, der uns aufzeigt, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht und wir gezielt Maßnahmen zum Umweltschutz einleiten müssen.

In diesem Zusammenhang ist auch die Nachhaltigkeitsstrategie NRW zu sehen. Die am 22. September 2020 verabschiedete weiterentwickelte Strategie stellt die Beiträge Nordrhein-Westfalens zur Umsetzung der globalen Agenda 2030 dar – unter Berücksichtigung der landesspezifischen Herausforderungen und Chancen. Kern sind eine Vielzahl an Postulaten und Zielen entlang der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Die Inhalte und Maßnahmen der Strategie sind eng an der Systematik der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ausgerichtet. So soll erreicht werden, dass sich die Aktivitäten von Bund und Land gegenseitig unterstützen.

Darüber hinaus hat die Landesregierung im Dezember 2020 den Entwurf für das bundesweit erste eigenständige Klimaanpassungsgesetz beschlossen. Damit setzen wir ein klares Zeichen, dass wir neben dem Klimaschutz auch der Anpassung an den Klimawandel eine ebenso große Bedeutung beimessen. Ziel ist es, unsere Widerstandsfähigkeit gegen die negativen Folgen und Gefahren des Klimawandels zu verbessern und Schäden für Natur und Gesellschaft zu minimieren. Mit den beiden Eckpfeilern Nachhaltigkeitsstrategie und Klimaanpassungsgesetz, außerdem der Fortführung der Biodiversitätsstrategie, einem für Herbst 2021 geplanten Naturschutzbericht, unserem Waldbau- und Wiederbewaldungskonzept und weiteren Initiativen wollen wir neue Kapitel in der Umwelt- und Naturschutzpolitik aufschlagen. Der Umweltzustandsbericht bietet mit seiner Darstellung des Ist-Zustandes die Grundlage für einen erfolgreichen und nachhaltigen Umweltschutz in unserem Land.

Deshalb danke ich allen an der Erstellung des Umweltzustandsberichtes beteiligten Personen für ihren Einsatz und ihr Engagement. Ich wünsche Ihnen interessante Einsichten beim Lesen des Umweltzustandsberichtes. Lassen Sie uns gemeinsam an der Umwelt in Nordrhein-Westfalen arbeiten – es lohnt sich.

 

Ihre Ursula Heinen-Esser

Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

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