Symbolbild: Luftaufnahme einer Neubausiedlung mit vielen Mehrfamilienhäusern. Die Siedlung wird umgeben von einem Wald und weiteren Grünflächen. © Mario Hagen / Pixabay

Aus der
Flächenpraxis

Engagement für mehr Flächenschutz – schafft vielfältige Lösungen

Flächenverbrauch in Nordrhein-Westfalen: Herausforderungen und Praxis

Der Flächenverbrauch in Nordrhein-Westfalen stellt nach wie vor ein zentrales Umweltproblem mit vielfältigen Ursachen und Folgewirkungen dar. Fortschritte zu seiner Reduzierung sind im Jahr 2022 mit 5,6 Hektar neuer Siedlungs- und Verkehrsfläche pro Tag zwar erkennbar, aber für einen Beitrag zum Erreichen des Bundesziels eines Netto-Null-Verbrauchs ist es noch ein langer Weg.

Die Akteure im Land sind künftig weiter gefordert, wirkungsvolle Strategien und Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, die dem komplexen Problem der Flächenneuinanspruchnahme wirksam adressieren. Das Anliegen der Allianz für die Fläche besteht daher darin, das Bewusstsein für den wachsenden Flächendruck hinsichtlich Siedlungs- und Verkehrszwecke zu schärfen. Zudem soll für die vielfältigen Instrumente, Initiativen und Fortbildungsangebote zur nachhaltigen Flächenentwicklung geworben und zur Nachahmung aufgerufen werden.

Eine nachhaltige Flächenentwicklung bietet für die Kommunen als auch für die Bevölkerung, entscheidende Vorteile:

  • Schutz von Natur und Landschaft
  • Schutz vor Folgen des Klimawandels
  • Stärkung gewachsener Zentren
  • Erhöhung der Lebensqualität für die Bevölkerung
  • effiziente Ausnutzung bestehender Infrastrukturen
  • Kosteneinsparung für Infrastrukturen
  • Vermeidung von Verkehrsbelastung
  • Werterhalt von Immobilien

 

Instrumente zum Flächensparen

Im Bestreben, die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke zu reduzieren und eine nachhaltige Stadt- und Flächenentwicklung in Nordrhein-Westfalen zu fördern, wurden verschiedene Instrumente und Verfahren entwickelt und in Modellvorhaben erprobt.

 

Flächeninformationen

Essenziell zur Umsetzung einer nachhaltige Stadt- und Flächenentwicklung sind Informationen zur räumlichen Verortung von potenziellen Flächenreserven in Städten und Kommunen. Flächen mit Entwicklungspotenzialen können in einem Katasterinformationssystem (z. B. Brachflächen- oder Baulückenkataster) erfasst, bewertet, visualisiert und analysiert werden.

Mit detaillierten Informationen zu innerstädtischen Flächen kann der Grundsatz der „Innen- vor Außenentwicklung“ in der Planung besser berücksichtigt werden. Ein entscheidender Beitrag dazu liefern die Daten aus der landesweiten Erfassung von Brachflächenpotenzialen in Nordrhein-Westfalen. Diese erfolgte 2021 bis 2025 durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK). Dabei wurden über eine Luftbildauswertung potenzielle Brachflächen im Siedlungsbereich erfasst und mit zusätzlichen Informationen zu den Flächen versehen. Die erhobenen Daten wurden den kommunalen Planungsbehörden, den unteren Bodenschutzbehörden und den Regionalplanungsbehörden in NRW zur Verfügung gestellt. Die Kommunen sind damit in der Lage, die Daten weiter zu qualifizieren und in ein eigenes Brachflächenkataster zu überführen.

Ausblickend entwickelt das LANUK derzeit in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) eine Methode zur KI-gestützten Brachflächenerfassung. Hierbei sollen auch die Erfahrungen aus dem Projekt zur landesweiten Erfassung der Bodenversiegelung (EBOVE) genutzt werden. In diesem Projekt wurde ein automatisiertes Verfahren KI-gestützter Luftbildauswertung entwickelt, das die landesweite Bodenversiegelung in einem Zwei-Jahresrhythmus erfasst. Die Daten zur Bodenversiegelung können per WMS-Dienst, OpenGeodata.NRW und über den Klimaatlas NRW abgerufen oder heruntergeladen werden. Im Rahmen des Siedlungsflächenmonitoring werden in NRW Flächenreserven erfasst, bei denen zum Zeitpunkt der Erhebung keine Baumaßnahme erfolgt oder dauerhaft ungenutzt sind.

Weiterführende Informationen:

 

Flächenrecycling

Für eine nachhaltige Flächenentwicklung ist es von entscheidender Bedeutung, die Ressource Boden stärker zu erhalten. Neben der generellen Reduzierung der Flächeninanspruchnahme sollen qualitativ hochwertige Ansätze wie die Wiedernutzung von Brachflächen, die Reaktivierung integrierter Flächenpotenziale und die Schonung besonders wertvoller und schutzwürdiger Böden im Fokus stehen. Eine stärkere Nutzung von Entsiegelungspotenzialen und die entsprechende Berücksichtigung in der Eingriffsregelung sind ebenfalls wesentliche Komponenten.

Einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der Neuinanspruchnahme von Freiflächen leistet die Reaktivierung von Industrie-, Verkehrs- und Militärbrachen - das sogenannte "Flächenrecycling". Dieses ist jedoch nur erfolgreich, wenn die aufbereiteten Flächen vermarktet und die angestrebten Nutzungen tatsächlich umgesetzt werden können. Viele durch den wirtschaftlichen Strukturwandel brachgefallene Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsflächen können gleichwohl in einzelwirtschaftlicher Betrachtung nicht rentierlich aufbereitet werden.

Damit öffentliche Mittel für die Flächenreaktivierung weiterhin eingesetzt werden können, wird kontinuierlich darauf hingewirkt, dass die Altlastensanierung als Förderzweck in möglichst vielen flächenbezogenen Förderprogrammen verankert bleibt oder wird. Zu den relevanten Förderprogrammen zählen die regionale Wirtschaftsförderung, die Städtebauförderung und die EU-Strukturprogramme. Eine beispielhafte Kooperation von Land, Wirtschaft und Kommunen in Nordrhein-Westfalen ist der AAV - Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung.

Weiterführende Informationen:

 

Innentwicklung / Nachverdichtung

Zur Umsetzung einer flächensparenden Siedlungsentwicklung ist die Innenentwicklung ein zentraler Bestandteil. Wesentliche Handlungsmaxime einer nachhaltigen Flächenentwicklung ist neben dem Ziel der Reduzierung der Neuinanspruchnahme von Fläche, das Prinzip „Innen- vor Außenentwicklung“.

Neben der Aktivierung von großen integrierten Flächenpotenzialen wie z. B. Industrie- oder Militärbrachen fällt in den Städten und Gemeinden der Nutzung von kleineren Nachverdichtungspotenzialen im Siedlungsbestand daher eine bedeutende Rolle zu. Sie trägt dazu bei, die Ausdehnung von Siedlungs- und Verkehrsfläche in den Freiraum zu minimieren. Diese Potenziale liegen insbesondere in der Aktivierung von Baulücken, Brachflächen, leerstehenden Gebäuden, mindergenutzten Grundstücken, der Aufstockung von bestehenden Gebäuden sowie der multicodierten Nutzung von Flächen und Gebäuden. Eine konsequente Nutzung solcher Innenentwicklungs- und Nachverdichtungspotenziale bietet für die Kommune, neben dem Verzicht auf Inanspruchnahme von unversiegelten Flächen im Außenbereich, entscheidende Vorteile:

  • Stärkung der Innenstadt durch die Konzentration auf die Innenentwicklung und der Belebung des gemeindliche oder städtischen Zentrums
  • Stadt der kurzen Wege erhöht die Nahversorgung und bessere Erreichbarkeit
  • Innerörtliche Belebung und Aufwertung steigert die Attraktivität von Städten und Gemeinden
  • Verjüngung überalterter Strukturen führt zur Revitalisierung
  • Bessere Auslastung vorhandener Infrastrukturen führt zu effizienteren Nutzung und Kosteneinsparung
  • Einsparen der Unterhaltungskosten für zusätzliche Infrastrukturen im Außenbereich
  • Durchmischung der Quartiere fördert eine integrative Nutzung