Ressource Fläche
© Marcin / Pixabay Ressource Fläche
Fläche – eine ebenso begrenzte wie begehrte Ressource
Ressource Fläche
Die unbebaute, unzerschnittene und unversiegelte Fläche ist ein schützenswertes Gut, denn sie ist unsere Lebensgrundlage. Die Ressource Fläche ist begrenzt und nicht vermehrbar, was ihre Bedeutung und den darauf ausgeübten Druck verstärkt. Verschiedenste Nutzungsansprüche, unter anderem aus den Bereichen Wohnen, Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Freizeit, Erholung, Wirtschaft, Energieerzeugung sowie Naturschutz, konkurrieren um die Nutzung dieser begrenzten Fläche. Diese Konkurrenz führt zu einer erheblichen Belastung und einem komplexen Geflecht von Konfliktlagen, die sowohl ökologischen als auch ökonomischen und sozialen Charakter haben.
Flächenneuinanspruchnahme
Die Flächenneuinanspruchnahme, auch bekannt als Flächenverbrauch, wird definiert als Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche, insbesondere durch die Inanspruchnahme von naturbelassenen oder landwirtschaftlichen Flächen. Die so definierte Fläche kann jedoch nicht mit versiegelter Fläche gleichgesetzt werden, da auch unbebauter und nicht versiegelter Boden als Teil der Siedlungs- und Verkehrsflächen betrachtet wird. Schätzungen ergeben für die Siedlungs- und Verkehrsfläche einen Versiegelungsgrad von etwa 45 % (Methodenbericht-Statistisches Bundesamt).
Jeden Tag werden Freiräume für Siedlungs- und Verkehrszwecke umgewandelt. So gehen Böden für die Nahrungsproduktion, den Wasserhaushalt, die Klimaanpassung und die Biodiversität verloren. Die Folgen dieser Flächenneuinanspruchnahme sind damit weitreichend und vielfältig. Direkten und indirekten ökologischen Auswirkungen treten ebenso in Erscheinung wie die zunehmenden sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die durch eine Siedlungsentwicklung in die Fläche verursacht werden.
Flächensparziele
Vor diesem Hintergrund haben der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen konkrete Zielsetzungen formuliert. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie sowie der Klimaschutzplan der Bundesregierung streben eine signifikante Reduzierung des täglichen Flächenverbrauchs an. Auf Bundesebene soll bis zum Jahr 2030 dieser Verbrauch auf durchschnittlich weniger als 30 Hektar pro Tag gesenkt werden und bis 2050 Netto-Null erreicht haben und dies im Einklang mit den Prinzipien einer Flächenkreislaufwirtschaft stehen. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat sich die zeitnahe Reduzierung des Flächenverbrauchs auf 5 Hektar pro Tag zum Ziel gesetzt und dies in der Koalitionsvereinbarung des Landes konkret benannt.
Weiterführende Informationen:
- Flächenberichte des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen
- Umweltindikatoren NRW
- Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung
- Methodenbericht-Statistisches Bundesamt
- Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung
- Klimaschutzplan der Bundesregierung
Daten und Fakten zum Flächenverbrauch
In Deutschland ist seit dem Jahr 2000 ein Rückgang der Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrsflächen zu erkennen. Im Vierjahresmittel wurden von 2021 bis 2024 jeden Tag rund 50 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen (BMUV 2024).
Mit Blick auf der landesweiten Flächenneuinanspruchnahme ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen. In den Jahren von 2017 bis 2022 betrug die durchschnittliche tägliche Zunahme 6,05 ha/Tag. Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Landesfläche in Nordrhein-Westfalen beträgt 23,9 % (Statistisches Bundesamt 2024).
Weiterführende Informationen:
- Flächenberichte des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK)
- Siedlungs- und Verkehrsfläche | Umweltbundesamt
Folgen des Flächenverbrauchs
Der Flächenverbrauch hat weitreichende Auswirkungen auf alle Umweltgüter wie Boden, Wasser, Luft und Klima, Biodiversität sowie das Landschaftsbild. Die Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme ist damit für Nordrhein-Westfalen ein wichtiges umweltpolitisches Anliegen.
Aufgrund der integrativen Funktion des Bodens im Naturhaushalts führen Bodenversiegelungen zu vielseitigen und oft schwer vorhersehbaren negativen Folgen. Diese Effekte sind synergetisch und haben erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Besonders betroffen sind Naturräume sowie Flächen, die für die Biodiversität, als CO2-Senken und für Klimaanpassungsmaßnahmen, wie Hochwasser- und Starkregenvorsorge, essenziell sind. Ebenso gehen Gebiete für Frischluftentstehung und Frischluftschneisen verloren. Darüber hinaus ist der Verlust wertvoller Ackerflächen zu nennen. Im sozialen und ökonomischen Bereich ergeben sich durch den Flächenverbrauch komplexe Wirkungsketten, die sich gegenseitig bedingen und verstärken, wodurch ein komplexes Netz von Auswirkungen entsteht. Angesichts dieser weitreichenden Folgen besteht ein dringender Handlungsbedarf zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme!
Ökologische Folgen
- Zerstörung der begrenzten Ressource Boden durch Versiegelung
- Verlust wichtiger Bodenfunktionen durch Erosion oder Verdichtung
- Verlust von Retentionsräumen, bei Starkregen und Hochwasser
- Verlust fruchtbarer landwirtschaftlicher Flächen
- Verlust naturnaher Flächen
- Zerschneidung von Natur- und Lebensräumen für Flora und Fauna
- Verlust an Biodiversität
- Erhöhung von Lärm- und Schadstoffemissionen durch Verkehrsaufkommen
Soziale Folgen:
- soziale Entmischung
- Verödung von Innenstädten und gewachsenen Quartieren
- weite Wege für Versorgung und Freizeit
- Erhöhung der Abhängigkeit vom PKW
- hohe Mobilitätskosten
Ökonomische Folgen:
- Erhöhter Kostenaufwand durch geringere Auslastung bestehender technischer, sozialer und kultureller Infrastrukturen
- Gleichzeitig steigender Kostenaufwand für die Erschließung, den Ausbau und die Unterhaltung neuer Infrastrukturen im Umland
- Erhöhter Kostenaufwand zur Beseitigung von Hochwasserschäden
- Wertverlust von Immobilien im Siedlungsbestand durch Ausweisung neuer Baugebiete im Außenbereich (Überangebot)