Dürre und Trockenheit
© khw80 / Pixabay Trockenheit und Dürre in Nordrhein-Westfalen
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Unterschied zwischen Trockenheit und Dürre
Nordrhein-Westfalen erlebt die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend als messbare Veränderung der Umweltbedingungen. Besonders deutlich zeigt sich dies an häufigeren Trockenperioden, die Böden, Wälder und Landwirtschaft belasten und zugleich die Wasserverfügbarkeit verändern.
Zentral für das Verständnis ist die Unterscheidung zwischen Trockenheit und Dürre. Eine Trockenperiode beschreibt einen Zeitraum mit weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. Wie lange eine Trockenperiode dauert, ist nicht festgelegt. Ob bereits von einer Trockenperiode gesprochen wird, hängt vom Wasserbedarf und aktuellen Randbedingungen ab. Nach einem trockenen Sommer können schon wenige Wochen ohne nennenswerten Niederschlag kritisch sein, während nach einem niederschlagsreichen Herbst und Winter längere trockene Phasen oft weniger Auswirkungen haben. Dürre hingegen bezeichnet man, wenn der Wassermangel über einen längeren Zeitraum anhält und sich auf Böden, Vegetation, Gewässer, Grundwasser auswirkt. Auch weniger Niederschlag und eine verstärkte Verdunstung durch höhere Temperaturen können zur Wassermangel führen. Deshalb beschreibt Dürre den Zustand des gesamten Wasserhaushalts und nicht nur das Wetter. Je nach Länge der Dürre werden entsprechend der Auswirkungen von verschiedenen Arten von Dürre gesprochen:
- meteorologische Dürre (ein bis zwei Monate deutlich weniger Niederschlag als üblich)
- landwirtschaftliche Dürre (zwei Monate und länger weniger Niederschlag als üblich, Ernteeinbußen)
- hydrologische Dürre (ab vier Monate, niedrige Wasserstände in Flüssen, Seen und sinkende Grundwasserständen)
- sozio-ökonomische Dürre (ab einem Jahr, Wassermangel wirkt sich auf Gesellschaft und Wirtschaft aus, beispielsweise auf Landwirtschaft, Schifffahrt oder Industrie.
Die Übergänge zwischen diesen Dürreformen sind fließend. Welche Form einer Dürre zuerst auftritt und wie stark sie ausgeprägt ist, hängt unter anderem von den lokale Gegebenheiten ab. So trifft beispielsweise in sandigen Böden schneller eine landwirtschaftliche Dürre ein, als auf Böden mit mächtigen Lössschichten, welche deutlich mehr Wasser halten können. Daher können sich die Auswirkungen einer Trockenperiode regional unterschiedlich entwickeln.
Warum Trockenphasen und Dürre in NRW zunehmen
In Nordrhein-Westfalen haben sich die Trockenperioden insbesondere seit dem Jahr 2018 deutlich zugenommen. Ursache waren häufig langanhaltende Hochdruckwetterlagen. Aber auch davor waren die Niederschlagsmengen in NRW seit dem Jahr 2008 fast durchgängig weniger als dem Mittelwert von 1991-2020.. Die mittleren jährlichen Niederschlagssummen von 1991-2020 sind etwas weniger aus die Summen von 1961-1990. .
Gleichzeit zeigen die Klimadaten, dass die mittleren jährlichen Lufttemperaturen gegenüber dem Zeitraum 1961-1990 um rund ein Grad gestiegen sind. Obwohl die mittlere jährliche Niederschlagssumme nur ganz leicht zurückgegangen sind, führen die höheren Temperaturen zu höheren Verdunstungsraten. Dadurch sinkt die sogenannte klimatische Wasserbilanz, also die Wassermenge, die nach Abzug der Verdunstung tatsächlich im Landschaftswasserhaushalt verbleibt.
Hinzu kommt, dass die Vegetation in Frühjahr aufgrund der höheren Temperaturen immer früher austreibt und dadurch auch früher Wasser benötigt. Gleichzeitig gibt es weniger Tage mit einer geschlossenen Schneedecke. Dadurch wird der Boden im Winter seltener gleichmäßig durchfeuchtet und es kann weniger Wasser zur Grundwasserneubildung beitragen..
Diese Entwicklungen erhöhen das Risiko, dass sich Trockenperioden zu längere anhaltenden Dürrephasen entwickeln. Besonders wenn längere niederschlagsarme Jahren mit hohen Temperaturen zusammentreffen, trocknen Boden schneller aus und die Auswirkungen auf Gewässer, Vegetation und Grundwasser verstärken sich.
Die Wetterbeobachtungen des Landes zeigen, dass insbesondere die Jahre seit 2018 mehrfach durch ausgeprägte Boden- und Waldtrockenheit geprägt waren. Sie verdeutlichen, dass Trockenheit in Nordrhein-Westfalen zunehmend in länger anhaltende Dürrephasen übergehen kann.
Folgen von Dürre und Trockenheit in Nordrhein-Westfalen
Die Auswirkungen von Trockenheit und Dürre sind in Nordrhein-Westfalen in vielen Bereichen spürbar. Wälder geraten unter Stress, besonders anfällig für Schädlinge wie den Borkenkäfer sind Fichtenbestände, aber auch Kiefer, Eiche und Buche sind stark gefährdet.. Auch die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Trockene Böden können das Pflanzenwachstum beeinträchtigen und zu Ertragseinbußen führen. Gleichzeitig steigt in Trockenzeiten der Bewässerungsbedarf. Darüber hinaus wirken sich langanhaltende Dürreperioden auf Gewässer und Grundwasser aus. Sinkende Grundwasserstände und Niedrigwasser in Flüssen können Lebensräume von Tieren und Pflanzen beeinträchtigen. Gleichzeitig erschweren niedrige Wasserstände die Schifffahrt und können Auswirkungen auf Industrie und Wasserversorgung haben. (Sozio-Ökonomische Dürre).
Auch Städte sind betroffen. Versiegelte Flächen speichern Hitze, wodurch sich urbane Räume stärker aufheizen und nachts langsamer abkühlen. Gerade dicht bebaute Regionen, Städte und Quartiere entwickeln sich zu sogenannten Wärmeinseln, in denen sich Trockenheit und Hitze gegenseitig verstärken. Dies belastet insbesondere die Gesundheit der Menschen und verringert gleichzeitig die Kühlwirkung von Stadtbäumen und Grünflächen.
Klimawandel, Wasserhaushalt und Klimaanpassung in NRW
Der Klimawandel verändert den Wasserhaushalt in Nordrhein-Westfalen. Längere Trockenperioden, häufigere Hitzephasen und eine höhere Verdunstung führen dazu, dass Wasser in der Landschaft knapper wird. Klimamodelle und Beobachtungsdaten zeigen, dass sich diese Entwicklung künftig fortsetzen kann. Für NRW bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Klimaschutz, um die Erwärmung zu begrenzen, und Klimaanpassung, um mit weniger verfügbaren Wasserressourcen resilient umzugehen.
Dürreereignisse erfordern langfristige Maßnahmen im Wasser- und Landschaftsmanagement sowie in der Klimaanpassung. Dazu gehört ein nachhaltiger Umgang mit den Wasserressourcen. Ziel ist es, möglichst viel Wasser in der Landschaft zu halten, die Grundwasserneubildung zu sichern und Gewässer sowie Ökosysteme widerstandsfähiger gegenüber längeren Trockenphasen zu machen. Gleichzeitig müssen Städte, Landwirtschaft und Wasserversorgung auf häufigere Trocken- und Hitzeperioden vorbereitet werden.
Wissenschaftliche Grundlagen und weiterführende Informationen:
- Klimaatlas NRW
- Umweltzustandsbericht Nordrhein-Westfalen 2020–2024
- Umweltbundesamt: Klimafolgen durch Trockenheit und Dürre
- Umweltbundesamt: Niedrigwasser, Dürre und Grundwasser
- Deutscher Wetterdienst (DWD): Klimamonitoring Deutschland
- IPCC AR6 WGII: Climate Change 2021–2023 – Impacts, Adaptation and Vulnerability
- European Environment Agency (EEA): Water resources and climate impacts in Europe