Blick aus einem dunklen Zimmer. Auf einem Tisch steht ein Ventilator. © Joel Timothy / Unsplash

Tropennächte in NRW:

Wenn die Hitze auch nachts keine Pause macht

Die zurückliegende Hitzewelle Ende Juni 2026 hat Nordrhein-Westfalen erneut außergewöhnlich hohe Lufttemperaturen beschert. An mehreren Tagen wurden verbreitet mehr als 35 Grad Celsius gemessen, an den Stationen Tönisvorst und Weilerswist-Sommersum stieg die Temperatur Ende Juni auf 40,2 Grad Celsius – der höchste jemals in Nordrhein-Westfalen gemessene Wert für einen Junitag. Damit wurde der bisherige Juni-Rekord deutlich übertroffen. An den bisherigen Temperaturrekord des Landes von 41,2 Grad Celsius, gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst, reichte die Hitzewelle zwar nicht heran. Einzelne Temperaturrekorde entstehen dabei durch das Zusammenspiel der langfristigen Erwärmung mit der jeweiligen Wetterlage. Die Hitzewelle fügt sich aber in den langfristigen Trend ein, dass Hitzewellen in Nordrhein-Westfalen häufiger, länger andauernd und intensiver werden. Während der mehrtägigen Hitzewelle warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor einer außergewöhnlich hohen Wärmebelastung. Doch nicht nur die heißen Tage setzten den Menschen zu. Zunehmend wurden auch die Nächte zum Gesundheitsrisiko, denn vielerorts kühlte es kaum noch ab. Damit rücken sogenannte Tropennächte stärker in den Fokus.

Als Tropennacht bezeichnen Meteorologinnen und Meteorologen eine Nacht, in der die Lufttemperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt. Diese fehlende Abkühlung erschwert dem Körper die Regeneration, beeinträchtigt den Schlaf und belastet Herz und Kreislauf. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere sowie Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Tritt eine Folge heißer Tage gemeinsam mit Tropennächten auf, steigt die gesundheitliche Belastung deutlich an, weil der Körper keine ausreichende Erholungsphase mehr erhält.

Die zurückliegende Hitzewelle verdeutlichte diese Entwicklung eindrucksvoll. Während tagsüber Rekordtemperaturen erreicht wurden, blieben vielerorts auch die Nachttemperaturen ungewöhnlich hoch. Gerade in den dicht besiedelten Städten Nordrhein-Westfalens wurden erneut Tropennächte registriert – ein Phänomen, das früher deutlich seltener auftrat. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes gehören lang anhaltende Hitzeperioden mit ausbleibender nächtlicher Abkühlung inzwischen zu den bedeutendsten wetterbedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland.

Langfristige Klimadaten zeigen, dass Tropennächte in Nordrhein-Westfalen deutlich häufiger geworden sind. Nach Daten des Klimaatlas NRW lag die durchschnittliche Zahl der Tropennächte in der Klimanormalperiode 1951 bis 1980 noch bei lediglich 0,2 Nächten pro Jahr. In der Referenzperiode 1991 bis 2020 waren es bereits 0,7 Nächte jährlich. Damit hat sich ihre Häufigkeit innerhalb weniger Jahrzehnte mehr als verdreifacht. Diese landesweiten Durchschnittswerte unterscheiden sich jedoch deutlich von den Verhältnissen in dicht bebauten Innenstädten, wo Tropennächte aufgrund des städtischen Wärmeinseleffekts wesentlich häufiger auftreten.

Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung in dicht bebauten Innenstädten. Gebäude, Asphalt und versiegelte Flächen speichern tagsüber große Mengen Wärme und geben diese nachts nur langsam wieder ab. Hinzu kommt, dass sich die Luft zwischen dicht stehenden Gebäuden häufig weniger gut austauschen kann. Dadurch bleibt die Wärme länger in der Stadt gespeichert und die Temperaturen sinken nachts deutlich langsamer als im Umland. Dadurch entstehen sogenannte städtische Wärmeinseln, in denen die Temperaturen deutlich höher bleiben als im Umland. Für die Messstation Köln-Turiner Straße wurden zwischen 2010 und 2024 durchschnittlich 20 Tropennächte pro Jahr registriert. Im außergewöhnlich warmen Jahr 2018 wurden dort 33 Tropennächte gezählt, 2024 waren es 25. Auch an der Station Aachen-Wilhelmstraße zeigt sich der Trend: Im Mittel wurden dort zwölf Tropennächte pro Jahr erfasst, mit 19 Tropennächten im Jahr 2018 und elf im Jahr 2024. Der Klimaatlas NRW weist insbesondere für Köln einen signifikant steigenden Trend aus.

Studien zur Extremwetterattribution zeigen zudem, dass der menschengemachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität extremer Hitzeereignisse in Mitteleuropa deutlich erhöht hat. Wie stark eine einzelne Hitzewelle ausfällt, wird jedoch weiterhin maßgeblich von der jeweiligen Wetterlage bestimmt.

Die zunehmende Häufigkeit von Tropennächten zählt zu den beobachteten Folgen der Erwärmung des Klimas und ist insbesondere in Städten ein gut messbarer Indikator für die veränderten Temperaturverhältnisse. Während heiße Tage meist die größte Aufmerksamkeit erhalten, entscheidet die nächtliche Abkühlung maßgeblich darüber, wie stark Menschen durch Hitze belastet werden. Mit der fortschreitenden Erwärmung werden Tropennächte in Nordrhein-Westfalen voraussichtlich weiter zunehmen – insbesondere in den Ballungsräumen. Um die Gesundheitsrisiken zu begrenzen, gewinnen Maßnahmen der Klimaanpassung wie mehr Stadtgrün, entsiegelte Flächen, verschattete Aufenthaltsorte und eine klimaangepasste Stadtplanung weiter an Bedeutung.